Alles wird teurer … wir aber nicht...

Teneriffa: Es könnte so schön sein - endlich stehen die Zeichen auf Wachstum. Die kanarische Wirtschaft wuchs im ersten Trimester des Jahres um über zwölf Prozent. Damit hat der Archipel das größte Wachstum innerhalb der spanischen Provinzen zu verzeichnen. Es ist fast doppelt so hoch wie der Landesdurchschnitt von 6,4 Prozent. Die Belegungszahlen sind gut und gehen dynamisch nach oben. Die Auslastung lag im Mai bei rund 65 Prozent, im Juni werden circa 70 Prozent Belegung erwartet und im Sommer heißt es während der Sommerhochsaison teilweise sogar „ausgebucht“. Die Aussichten für die kommende Wintersaison sind rosig. Die Zahl der Fluganbindungen ist auf dem Niveau von vor der Pandemie. Der Präsident des kanarischen Hotel- und Tourismusverbandes FEHT, José María Mañaricua, geht davon aus, dass die Kanarischen Inseln bis zum Jahresende mindestens zehn Millionen Urlauber empfangen werden. Das sind rund 80 Prozent des Volumens wie vor der Pandemie 2019. Erstmals seit 2008 ist die Zahl der Arbeitslosen im April unter 200.000 gesunken. Und trotzdem fühlt es sich an wie ein Aufschwung mit angezogener Handbremse...

 

Inflation frisst die Gewinne auf

 

Der Flieger wäre so gerne ein Überflieger, aber er kommt nicht so recht vom Boden weg. Woran liegt das? Die Faktoren die, als angezogene Handbremse fungieren, sind vielschichtig. Der Krieg in der Ukraine lässt die Energiepreise in nie dagewesene Höhen schnellen. Der Warenkorb wird in Spanien in diesem Jahr deutlich teurer. Im April sind die Preise im Vergleich zum Vorjahr vor allem im Bereich der Immobilien (+13,9 Prozent), im Transportwesen (+11,9 Prozent), bei Lebensmitteln und nicht alkoholischen Getränken (+10,4 Prozent), bei Haushaltswaren (+ 5,2 Prozent) und in Hotels, Restaurants oder Cafés (+ 4,2 Prozent) nach oben geschnellt. Das sind Mehrausgaben, die auch die Urlaubsbudgets belasten und sie betreffen Europa insgesamt.

Das ist nicht nur für die Verbraucher spürbar, sondern zieht sich wie ein roter Faden durch alle Wirtschaftsbereiche. Nicht zuletzt sind es die Flüge, die teurer werden und so manchen von einer Flugreise Abstand nehmen lassen. Das Transportwesen leidet auch auf Rädern oder im Wasser. Der Antrieb, gleich welcher Art, wird immer teurer. Dadurch verteuern sich in Folge Rohstoffe, Lebensmittel und vieles mehr. Die Viehwirte rufen nach Subventionen, weil die Futtermittel so teuer geworden sind, dass sie jeden Monat Verluste einfahren. Aber ohne sie können die kanarischen Hirten ihre Tiere nicht durchbringen. Sie drohen sogar schon mit Schlachtungen. Ähnlich geht es den Fischern, für die sich die Fahrt aufs Meer rentieren muss. Die Hoteliers bemühen sich, die Preise stabil zu halten, denn schon die hohen Flugpreise sind für die Branche ein Hemmschuh. Das bedeutet für sie: Die Teuerungsrate frisst ihre Gewinne auf. Trotz Mehraufwand und endlich wieder positiven Übernachtungszahlen bleibt am Ende kaum etwas übrig. Lange ist das nicht tragbar.

 

Wo ist das Licht am Horizont?

 

Auch wenn viele Unsicherheitsfaktoren die Zukunft überschatten, gibt es positive Zeichen. Seitens der Politik sollen Subventionen für das Transportunternehmen, für Fischer, Land- und Viehwirte die Situation erträglicher machen und bei der Überbrückung helfen. Seitens der Verbraucher findet immer öfter ein Umdenken statt. Viele schätzen die lokalen Produkte wieder mehr. Nicht nur weil sie trotz allem noch günstiger sind, sondern weil man auch die „eigenen Leute“ stärken möchte.

Vertreter des Tourismusamtes, die im Mai auf der Messe „Routes Europe 2022“ teilnahmen, kamen mit einer positiven Resonanz auf das Angebot der Kanarischen Inseln zurück. Innerhalb Europas ist der Archipel das Reiseziel, das sich nach der Pandemie am schnellsten erholt hat. Bei Treffen mit über 30 Fluggesellschaften kristallisierte sich eine sehr positive Tendenz heraus. Im Winter lagen die Buchungszahlen bereits sieben Prozent über dem Vorjahr. Im Sommer wird ein Plus von elf Prozent erwartet und in der kommenden Wintersaison gehen die Experten davon aus, dass die Belegung sogar 15 Prozent über den Zahlen von 2019 liegen könnte. Viele neue Fluggesellschaften, die Canarias bislang nicht im Programm haben, zeigten sich interessiert. Vom Treffen der ultraperipheren Regionen Europas (RUP) in Martinique, kam der Präsident der Kanarischen Inseln, Ángel Víctor Torres, mit der Ankündigung zurück, dass bis 2030 keine Ökosteuer auf die Flug- und Fährverbindungen zwischen den Inseln und zum spanischen Festland erhoben wird. Die Tourismus- und Hotelverbände bestehen darauf, dass die Befreiung von dem Kerosinzuschlag auch für Maschinen aus anderen Ländern gelten muss. Durch die Lage der Kanarischen Inseln am Rande Europas sei das mehr als gerechtfertigt. Die Energiekrise bringt den Ausbau erneuerbarer Energiequellen spürbar voran. Frieden in der Ukraine, das wäre ein Faktor, der die angezogene Handbremse endlich richtig lösen würde.

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Die eigene Landwirtschaft zu stärken gibt auch ein Stück Autonomie (Foto/ArchivSV)

 

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