Zu Dritt mit dem Fahrrad nach Deutschland

Für Christin heißt es am 28. März 2021 Abschied nehmen von ihrer geliebten Insel. Diese war sechs Jahre lang ihr Zuhause. „Ich habe als Restaurantfachfrau in einem Hotel gearbeitet und dann kam Corona. Erst war ich in Kurzarbeit. Die ersten fünf Monate fand ich toll. Es war eine sehr kreative Zeit für mich. Aber dann wurde ich arbeitslos.  

Inzwischen sind meine Ansprüche abgelaufen und nachdem ich weder verheiratet bin noch Kinder habe, gibt es für mich keine sozialen Hilfen. Deshalb habe ich mich gefragt, was tun?“, erzählt die 37-Jährige. Und sie fasste einen Plan. Sie fährt mit dem Fahrrad zurück nach Deutschland und zwar nicht allein, sondern mit ihren beiden Hunden Pequeña und Gizmo. Sie freut sich darauf, ihre Eltern wiederzusehen und ihren Sohn, der im Mai 19 Jahre alt wird. Ob sie es allerdings bis dahin schafft, weiß sie nicht.

Eine lange Reise auf zwei Rädern

„Ich habe mich monatelang vorbereitet. Für mein Fahrrad habe ich einen Kinderanhänger besorgt. Dort werde ich meine beiden Schätzchen während der Fahrt festschnallen. Stefan vom Bike Shop in San Eugenio hat mir viel geholfen. Ich bin gerüstet, habe wichtige Ersatzteile, Werkzeug und kenne mein Rad gut genug, um es auch reparieren zu können. Außerdem habe ich mir auf Youtube vieles angeschaut und mir Tipps von Leuten geholt, die schon unterwegs sind“. Christin ist aufgeregt. Diese Reise, das weiß sie, wird sie verändern. Sie ist eine taffe Frau, die sich nicht so schnell unterkriegen lässt. Aber 3.000 Kilometer zu Dritt, bis nach Neustadt an der Donau – das ist nicht nur physisch, sondern auch psychisch eine Herausforderung. „Ich weiß, dass mich diese Reise mental stärker machen wird“.

Bald geht es los

„Falls es Leser gibt, die mir noch ein paar Tipps mitgeben möchten, bin ich immer dankbar dafür“, meint sie noch. Am 28. März nimmt sie die Fred Olsen Fähre nach Huelva. Dort kann sie ihre Hunde mit in die Kabine nehmen. Ab Huelva geht es die Eurovelo 8 entlang bis nach Barcelona. Von dort geht es über Frankreich nach Hause. Barcelona ist aber das erste Etappenziel. „Ich habe mir keine Zeit gesetzt. Wenn es mir irgendwo gefällt, bleibe ich vielleicht auch ein paar Tage. Ich schlafe nur in meinem Zelt, habe einen Kocher dabei und lebe Outdoor. Am Anfang schaffe ich vielleicht noch nicht so viele Kilometer am Tag, aber mit der Zeit wird sich das bestimmt steigern“. Christin macht sich keinen Stress. Unterwegs will sie abends bei Bäckereien nach Brot für sich und bei Metzgereien nach Futter für die Hunde fragen. Vielleicht kann ich auch irgendwo mal duschen oder übernachten. Barcelona kennt sie schon und mag sie sehr. Dort will sie sich eine kleine Pause gönnen und vielleicht ihren selbst gemachten Schmuck verkaufen, um die Reisekasse wieder aufzufüllen. Außerdem hat sie einen Youtube und einen Patreon-Kanal angelegt. Dort kann man Mitglied werden. Für 5, 8 oder X Euro im Monat. Das ist eine Unterstützung für sie und man kann dann auch mit ihr chatten oder sich von ihren Spots inspirieren lassen.

Zwei treue Begleiter

Die kleine Pequeña ist acht Jahre alt. Christin fand sie auf einem Parkplatz, ausgesetzt mit drei anderen Hündinnen. „Meinen Hund hatte ich gerade altersbedingt bei meinen Eltern abgegeben und ich wollte wieder einen kleinen Hund als Gesellschaft. Da kam ich auf diesen Parkplatz, sah die Hunde und setzte mich hin. Zuerst waren die Fellnasen skeptisch. Dann kam „mein Hund“ und setzte sich auf meinen Schoss – das war Liebe auf den ersten Blick! Ich habe sie nicht mehr hergegeben“. Die anderen Hunde holten Tierschützer ab und dann war klar, alle waren trächtig. Auch Pequeña. Aber Christin hat für alle ein gutes Zuhause gefunden. Der zweite im Bunde, Gizmo, ist ein Sohn aus einem zweiten Wurf. Er ist erst zwei Jahre alt und ein echter Jungspund. Auch für diese beiden wird es eine aufregende Reise werden.

Ich komme wieder

Das steht für Christin außer Frage. Sobald sich der Tourismus auf Teneriffa erholt und sie hier wieder Jobaussichten hat, will sie zurückkommen. Vielleicht sogar mit ihrem Sohn, der gerade seine Kochlehre abgeschlossen hat. „Ich habe es geliebt, hier zu leben. La Palma ist meine Lieblingsinsel, aber auf Teneriffa kann man besser arbeiten und hier ist es auch schön. An meinen freien Tagen bin ich oft mit meinen Hunden und meinem Zelt in die Natur gegangen, irgendwo geblieben und habe übernachtet. Am nächsten Tag habe ich alles wieder eingepackt, darauf geachtet, dass ich keine Spuren hinterlasse und bin wieder gegangen. Ich liebe das Leben in der Natur“, erzählt sie begeistert. Auch die Menschen, die Liebenswürdigkeit, die Gastfreundschaft, das Multi-Kulti, das Klima, alles liebt sie und deshalb ist sie sicher, dass sie wiederkommt, um zu bleiben. Dann werden wir sie auf jeden Fall wiedersehen...

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